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24. Februar 2008

Klimaexperte Graßl: «Dem bayerischen Programm fehlen harte Ziele»

Der Vorsitzende des Bayerischen Klimarates, Hartmut Graßl, hat die politische Umsetzung seiner Empfehlungen als zu unkonkret kritisiert. «Was im bayerischen Klimaprogramm 2020 fehlt, sind die harten Ziele», sagte der Wissenschaftler der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. Dies sei die typische Vorsicht der Politiker - aus Angst, sich auf irgendetwas festzulegen. Ein zentrales Ziel des Klimarates sei gewesen, den CO2-Ausstoß pro Person und Jahr in Bayern auf fünf Tonnen zu verringern. «Dass diese Zahl nicht erscheint, ist eine Schwäche», sagte Graßl.

Die bayerische Regierung müsse sich trotzdem an diesem Ziel messen lassen, da das Ziel fünf Tonnen vom ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber selber vorgegeben worden sei, sagte Graßl.

Nach Ansicht des Wissenschaftlers sollte weniger Geld in die Kernforschung gesteckt werden und mehr in die Erforschung erneuerbarer Energien. Hier bestehe noch größerer Bedarf an Grundlagenforschung. Die Kernforschung müsse heute eher von den Konzernen finanziert werden, die mit dieser Technik gut verdienen. Investitionen in erneuerbare Energien zahlten sich für die Volkswirtschaft außerdem unmittelbar aus. «Gewinne durch den Export von Wind- und Photovoltaikanlagen gleichen die Kosten für die Entwicklung und Einspeisung in jedem Fall wieder aus», sagte Graßl. Vor allem bei der Solartechnologie lägen Bayerns Hersteller vorne. Auch habe der Freistaat mit einem Prozent bundesweit den höchsten Anteil an Solarstromeinspeisung ins Netz.

Der 67-jährige Klimaforscher war fünf Jahre lang Direktor des Weltklimaforschungsprogramms der Vereinten Nationen in Genf. Außerdem leitete er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2005 das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Graßl warnte bereits in den 1980er-Jahren vor globalen Klimaänderungen durch den Menschen. Der Bayerische Klimarat berät seit Frühjahr 2007 die Staatsregierung in ihrer Klimapolitik.

dpa-Meldung vom 24. Februar 2008